Just another soldier on the road to nowhere.

Just another soldier on the road to nowhere.



Ich bin die mit dem Stempel geblieben
auf dem steht die Einsamkeit
Mutter du hast sie mir eingebrannt

bis zuletzt

ich trage sie mit mir herum
habe schon lange keine Fragen mehr
Stumm trage ich sie herum


Lara Sommer - Kohlenkind





# Posté le mardi 13 janvier 2009 11:31

Weil ich das Gedicht jetzt endlich verstehe: (NEIN, es geht nicht nur um den Herbst!)

Weil ich das Gedicht jetzt endlich verstehe:   (NEIN, es geht nicht nur um den Herbst!)



Ich hielt ihn für ein welkes Blatt
im Aufwind
Dann auf der Hand:
ein gelber Schmetterling

Er wird nicht länger dauern
als ein Blatt
das fallen muss
in diesem großen Herbst

(und ich nicht länger
als ein gelber Falter
in deiner Liebe großer Flut
und Ebbe)

und flattert doch
und streichelt meine Hand
auf der er sich bewegt
und weiß es nicht.

Erich Fried





# Posté le samedi 10 janvier 2009 17:44

Oui, mon blog craint!

Oui, mon blog craint!


Julie. Glaubst du an mich?

Danton. Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab - wir sind sehr einsam.

Julie. Du kennst mich, Danton.

Danton. Ja, was man so kennen heißt. Du hast dunkle Augen und lockiges Haar und einen feinen Teint und sagst immer zu mir: lieber Georg! Aber (er deutet ihr auf Stirn und Augen) da, da, was liegt hinter dem? Geh, wir haben grobe Sinne. Einander kennen? Wir müßten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren.

Dantons Tod - Georg Büchner




# Posté le vendredi 02 janvier 2009 20:04

Wörter für alles

Wörter für alles



Was nicht über sie bekannt war, ist endlos. So wusste niemand, dass ihre Lieblingsblume die Orchidee war, wobei die einzige, die sie je besessen hatte, schon nach wenigen Wochen kläglich starb. Vielleicht wurde sie zu sehr geliebt, vielleicht zu wenig. Verstehe einer die Pflanzen. Keiner wusste, dass sie am liebsten glasierte Kastanien ass und dass sie bei besonders guten Gerichten die Augen schloss, um die Tränen des Genusses zu unterdrücken. Es ist nicht bekannt, dass sie sich oft den eigenen Tod vostellte. Dass ihr Lieblingssatzzeichen der Punkt war. Weil er alles versiegelte. Weil er Fragen stellte und auch Gefühle zuliess. Weil er alles offen liess. Liebe. Hass. Glück. Alles sollte einen Punkt mit sich tragen. Denn in ihm sammelten sich alle Überlegungen und Gedanken, Sicheres und Unklarheiten.
Es hat nie jemand erfahren, dass sie einmal, als ihre Welt um sie zerbröckelte, all ihre Verluste und Hoffnungen auf ihr zusammenbrachen, das Haus verliess, mit ruhigen Zügen, und losschritt, lief und lief bis sie inmitten eines Feldes zusammenbrach unter dem Gewicht, das auf ihr lastete. Dass sie schrie. Dass sie weinte. Dass sie, als sie sich beruhigt hatte, liegen blieb und überwältigt von der bitteren Schönheit des Lebens, in den Himmel starrte.
Es sollte nie jemand erfahren, wie hingebungsvoll sie lieben konnte, da sie sich sehr darum bemühte diese Schwachstelle zu verstecken. So errichtete sie ein unsichtbares Schild um sich, das keine Gefühle zuliess, ersehnte sich zugleich jedoch nichts mehr, als endlich glücklich zu sein.

All das ist in Vergessenheit geraten, wie so vieles über viele, die geboren werden und sterben, ohne dass sich jemals jemand die Zeit nähme, es alles aufzuschreiben oder gar es zu verstehen.


Lili Alma Lavender

# Posté le mardi 18 novembre 2008 18:02

Modifié le samedi 10 janvier 2009 17:52